Der
größte tätige Vulkan in Westeuropa
Siziliens
Gigant "Ätna" brodelt...
L.Berger/IVB-REPORT
(IVB) - "Eingang
zur Hölle" nannte man bereits in der Antike - so ist es überliefert - den
feuerspeienden Berg Ätna an der Ostküste Siziliens. Der mächtige 3340 Meter
hohe Vulkan ist der größte seiner Art in Westeuropa und auch einer der
tätigsten auf der Erde. Er bildet mit seinem Kegel, der einen Durchmesser von
18 bis 20 km hat, einen imponierenden
Anblick. Eine weiße Schneekuppe ziert ihn bis in den Frühling hinein.
Vulkane haben in der überschaubaren Menschheitsgeschichte
unbeschreibliche Vernichtungen angerichtet. Ganze Städte versanken unter
glühenden Lavaströmen, wenn kochendes Magma aus dem Inneren der Erde aus den
Kratern geschleudert wurde. Und dennoch siedelten sich Menschen immer wieder an
den Hängen oder in unmittelbarer Nachbarschaft der Vulkane an.
Bereits 1971, 1981, 1983 und 1991 kam es zu Ausbrüchen. Auch
jetzt bebt es wieder am Ätna. Nach Ansicht von Experten bereitet sich der
aktivste Vulkan Europas erneut auf einen Ausbruch vor. Untrügerische Anzeichen
sind die Unmengen von Magma, die aus der Tiefe heraufsteigen und versuchen,
sich einen Weg zur Erdoberfläche zu suchen.
Im Blick auf den ebenso majestätischen wie furchterregenden Ätna
sollte man wissen, daß mit der Bevölkerung von Catania (rund 400 000 Einwohner)
und weiteren 30 kleineren Städten und Ortschaften fast 700 000 Menschen an
seinen Hängen wohnen. Auf den nationalen und internationalen Tourismus wirkt
der Vulkan als Magnet.
Gut ausgebaute Straßen aus Richtung Catania sorgen dafür, daß
die Ausflüge zum Krater in über 3000 Meter Höhe selbstverständlich geworden
sind, obwohl momentan bei der Aktivität des Vulkans Vorsicht geboten ist.
Man sieht es den Orten in den diversen Höhenlagen an: Der
Fremdenverkehr blüht, und die Besucher erfreuen sich des herrlichen Blicks auf
den Ätna, auf Weinberge und Mandelbäume, schwarze Lava von eigenartiger Wirkung
sowie die schöne Landschaft und das Meer.
Größere und kleinere Schutzhütten von 2000 Meter aufwärts,
weitere Einrichtungen und Parkplätze für den Fremdenverkehr sowie die
Ätna-Seilbahn als beste Verbindung zum Krater und Skilifte an den bis zum
Frühling schneesicheren Hängen vervollständigen das Bild vom Aufstieg zum Ätna.
Nach diesen Hinweisen auf den friedlichen Vulkanriesen bedarf es
der Aufmerksamkeit auf die Warnungen der Vulkanologen. Wer den gewaltigen und
immer tätigen Ätna in den Gipfelbereichen als Wanderer und Bergsteiger oder zur
kalten Jahreszeit als Skiläufer erkunden will, der sollte sich nicht nur auf
die wichtigsten Krater des Berges mit glühender Magma und die zu jeder Zeit
nach Explosionen möglichen Lavaströme konzentrieren.
Er sollte vielmehr auch an viele andere Gefahren denken, die
sich durch die ungeheuer weite Ausdehnung der von erstarrter Lava und Asche
geprägten Vulkanlandschaft erheben. Als größte Gefahr nennen die Experten das
Verlaufen in den unübersehbaren Hängen des Ätna bei Nebel. Bei schlechtem oder
unsicherem Wetter sollte man davon absehen, an die Durchquerung des Valle del
Bove zu denken. Dieses Tal ist eine gigantische Narbe von 8 km Länge, 5 km
Breite und Wänden von fast 1000 Meter Höhe in der Ostflanke des Berges.
Am Fuß des Ätna, wo seine Lavaströme bis zum Meer zu verfolgen
sind, mag es noch so heiß sein, wer hinauf auf den Gipfel will, der sollte für
warme Kleidung und deftiges Schuhwerk sorgen. Auch im Sommer fegen über den
3340 Meter hohen Vulkan sehr kalte Winde.
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